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9. Der Vorgang der Ostung
Die Ostung ist ein universeller Vorgang, der bei allen sakralen Bauten in sämtlichen
Kulturen durchgeführt wurde. Sie findet sich in China und Japan genauso wie in
Indien und im Abendland und dient der Feinabstimmung der Lage des Gebäudes mit
dem Kosmos.
Die Ostung in 2 Schritten
Die Ostung läuft folgendermaßen ab: An einer zunächst
grob gewählten Stelle wird ein Pfahl in die Erde gesetzt
und aufgerichtet. Dieser Pfahl wird als Gnomon oder
Omphalos (= Nabel) bezeichnet. Der Pfahl steht
symbolisch für die Weltenachse, um die sich der
Weltenbaum dreht. Dementsprechend wird um den Pfahl
mit einer Schnur ein Kreis gezogen, auf dem sich nun
der Schatten des Omphalos wie auf einer Sonnenuhr
abzeichnet. Sicherlich wird für diesen Vorgang nicht
irgendein beliebiger Tag gewählt, sondern ein religiös
herausragender.
Die zwei äußersten Punkte des Schattens bei Sonnenauf- und -untergang geben auf
dem Kreis zwei Punkte an, deren Verbindung die Ost-West-Achse markiert. Von dem
östlichen und dem westlichen Punkt der Achse aus werden zwei Kreise geschlagen,
deren Überschneidung wiederum eine Fischblase erzeugt. Die Fischblase markiert
mit ihren Schnittpunkten die Nord-Süd-Achse. Um den nördlichen und den südlichen
Schnittpunkt der Fischblase wird nun jeweils ein weiterer Kreis geschlagen. Die
inneren Schnittpunkte der vier Kreise markieren vier Eckpunkte eines Quadrats, das
die Vierung des sakralen Baus eben das Herzstück, wie es sich in Tempeln und
Kirchen aller Religionen findet, bildet. Ausgehend von der Vierung wird nun der
übrige Bau errichtet, indem das grundlegende Viereck in kleinere Vierecke hälftig
unterteilt wird und die übrigen Maße daraus abgeleitet werden.
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