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Die Kathedrale von Chartres.

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20 Es ist davon auszugehen, dass das eingangs erwähnte geheime Wissen in der Schule von Chartres nicht bekannt war, da es im Mittelalter bereits verschollen war. Dennoch entwickelten die Lehrer der Schule – darunter Fulbert, Thierry, Johannes von Salisbury, Alanus ab Insulis, Bernhard von Clairvaux –, meist Naturphilosophen, eine eigene Kosmologie, die thematisch um den Wiederaufstieg des Menschen zu Gott, seine Wiedergeburt, kreiste:   Gott verströmt sich aus dem Einen in die Weltseele und erschafft einen gestuften Kosmos, in dem der Mensch, relativ weit unten stehend, schrittweise seinen Rückweg zu Gott antritt.   Von den klassischen Werken der Antike wurde in der Schule von Chartres vor allem Platons Timaios mit großem Eifer gelesen und immer wieder neu interpretiert, obwohl damals noch nicht einmal vollständig überliefert. Im Timaios findet sich eine Teststelle, die nicht nur deutlich die Blume des Lebens beschreibt, sondern auch zum Ausdruck bringt, dass der Kosmos von Gott beseelt ist: „Demjenigen lebendigen Wesen, welches alles andere Lebendige in sich fassen soll, dürfte nun wohl auch eine Gestalt angemessen sein, welche alle anderen Gestalten in sich fasst. Deshalb drehte er [Gott] sie denn auch kugelförmig, so dass sie von der Mitte aus überall gleich weit von ihren Endpunkten entfernt war, nach Maßgabe der Kreisform, welche von allen Gestalten die vollkommenste und am meisten sich selber gleiche ist ... Diese ganze Erwägung nun also desjenigen Gottes ... bewirkte, dass der Körper der Welt glatt und eben und überall gleich weit vom Mittelpunkte abstehend und in sich geschlossen und vollständig aus Körpern, die schon selber vollständig waren, gebildet wurde. Die Seele aber pflanzte er in die Mitte desselben ein und spannte sie nicht bloß durch das ganze Weltall aus, sondern umkleidete den Weltkörper auch noch von außen mit ihr. Und so richtete er denn das Weltganze her als einen im Kreise sich drehenden Umkreis ...“ (Platon: Timaios, 33b, 34b, Hervorhebungen von der Autorin).
  
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Siehe auch:
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