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Jenseits aller Spekulationen über die Templer gibt es eine überraschend klare
historische Linie, die von dem Historiker Allan Oslo vor kurzem erstmals aufgedeckt
wurde.
Hugo von Payns, Mitbegründer des Templerordens und Onkel des Grafen von Blois
und Chartres (!) war Schüler des spanischen Rabbi Schlomo Jitzchaki, auch bekannt
unter dem Namen Raschi von Troyes. Dieser jüdische Gelehrte bewahrte die
Episteln der Lauteren Brüder auf. Dabei handelt es sich um ein Korpus arabisch-
hebräischer Texte, die ihren Ursprung in Ägypten haben sollen und hermetisches
Wissen vieler Kulturen enthielten. In den Texten verbanden sich kultur- und
religionsübergreifend alchemistische, gnostische und essenische Quellen mit der
jüdischen Kabbala, mit neuplatonischer Gnostik und mit griechischer Philosophie
sowie pythagoräischer Zahlenmystik. Durch Verfolgung der Hermetiker kamen die
Texte auf verschlungenen Pfaden von den arabischen Ländern ins Abendland, wobei
sie mehrfach den Besitzer wechselten.
Um das Jahr 1000 gelangten die Episteln nach Spanien, von wo sie die Juden
aufgrund ihrer Verfolgung zu Raschi von Troyes brachten. Als dieser 1105 starb,
wurden die Texte offenbar von seinem Schüler Stephan von Harding, einem
Templer, ins Kloster von Citeaux, den Stammsitz der Zisterzienser, gebracht. Die
intensiven Arbeiten der Übersetzung der Texte ins Lateinische, verbunden mit dem
Wunsch, das Wissen weiterhin geheim zu halten und nicht im Zisterzienser-Orden zu
verbreiten, führten dazu, dass sie schließlich in die abgelegenere Abtei von Clairvaux
gebracht wurden.
Diese Abtei wurde von Bernhard von Fontaine geleitet, später bekannt unter dem
Namen Bernhard von Clairvaux. Bernhard beeinflusste nicht nur maßgeblich den
Bau einiger gotischer Notre-Dame-Kathedralen, darunter Chartres, sondern wirkte
auch an der Schule von Chartres als Lehrer. Es ist also wahrscheinlich, dass das
Wissen aus den Episteln der Lauteren Brüder über die Templer und Bernhard in die
gotischen Kathedralen einfloss.
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